Aktion "Feuchtemessung": Auswertung der Umfrage

Risiko Restfeuchte -
Umfrage des iba-INSTITUT:

CM-Prüfung allgemein anerkannt, aber elektrische Prüfung immer beliebter!

Auswertung der Umfrage des iba-INSTITUT zur Feuchtemessung von Estrichen: Welche Methode wird tatsächlich angewendet? Wie Feuchte sicher messen: Elektrisch? CM-Prüfung? Welche Methode ist allgemein anerkannt?

Feuchteschaden an einem elastischen Bodenbelag: Feuchtemessung unerläßlich – aber wie?
Feuchteschaden an einem elastischen Bodenbelag: Feuchtemessung unerläßlich – aber wie?

Im Rahmen des iba-BauFach-Symposiums „Forum Estrich & Belag: Risiko Restfeuchte?“  im November 2008 wurde durch das iba-INSTITUT eine Umfrage zur Methode der Feuchtemessung unter den Teilnehmern gestartet. Die Ergebnisse waren so interessant, daß Annette Gottfried und Hans-Joachim Rolof beschlossen, eine bundesweite Umfrage durchzuführen. Nur so kann den Spekulationen über die Frage ein Ende gesetzt werden, welche Methode nun in der Fachwelt generell bejaht wird und anerkannt ist. Um ein aussagekräftiges Ergebnis zu bekommen wurde die Umfrage in vielen Fachzeitschriften veröffentlicht – als führendes Magazin der Branche war „Fussboden Technik“ mit dabei. Auch Innungen und Fachverbände wurden befragt. Ebenso wurde die Umfrage von Hans-Joachim Rolof bei zahlreichen Symposien und Fachvorträgen vor vielen hundert Teilnehmern, Architekten, Bauleitern, der bauchemischen Industrie und dem bodenlegenden Handwerk bekannt gemacht. Heute liegen die Ergebnisse vor, zu denen nachfolgend berichtet wird.

Auswertung: CM-Prüfung im Vorteil!

Seit Beginn der Umfrage liegen vielzählige Rückmeldungen vor. Dabei ist auffällig: Viele Gewerke streiten sich jeden Tag um Marktanteile bei Estrich und Oberboden. Aber nur wenige Marktteilnehmer haben zu der wichtigen Frage der Feuchtemessung auch eine Meinung. Die Rückmeldungen setzen sich aus folgenden Branchen zusammen:

Tabelle 1: Teilnehmer der Umfrage nach Branchen

Fliesenleger:

31%

Bodenleger/Parkettleger:

16%

(Bau-) Sachverständige:

15%

Architekten/Bauleiter:

12%

Außendienst/Anwendungstechnik der Baustoffindustrie:

  9%

Sonstige/keine Angabe:

  5%

Estrichleger:

  3%

Maler- und Lackierer:

  3%

Estrich- und Bodenleger:

  3%

Raumausstatter:

  2%

Baustoffhandel:

  1%

Die Umfrage sollte unter einem möglichst breiten Fachpublikum aufklären: Wird nun also das althergebrachte CM-Gerät verwendet? Oder das moderne elektrische Feuchtemeßgerät?

Das sagten die Befragten - so wird gemessen:

Tabelle 2: Angaben zur Meßmethode unabhängig von der Branche

Elektrische Feuchtemessung und CM-Methode:

 51%

CM-Methode (ausschließlich):

 30%

Elektrische Feuchtemessung (ausschließlich):

 12%

Darrprüfung:

   6%

Mikrowellenprüfung:

   2%

Aufkleben einer Folie:

   1%

Messung der relativen Luftfeuchtigkeit im Bohrloch:

   1%

„kleine Darrprüfung im eigenen Backofen“:

   1%

Dabei waren zusätzlich zu elektrischem Meßgerät oder CM-Methode auch Nennungen von Alternativen zugelassen, wenn diese Kombinationen von Verfahren im Einzelfall angewendet werden oder nur eine Methode zutrifft (Darrprüfung usw.)!

Handwerk & Sachverständige: Wer viel mißt…

Es zeigte sich, daß insbesondere Sachverständige die Feuchte in Baustoffen nicht nur mit einer Methode erfassen: gemessen wird häufig vor Ort und nach Probenentnahme im Labor (Darrmethode). Daher enthält die vorläufige Auswertung mehr als 100% der Nennungen.

Insgesamt gaben 51% der Befragten an beide Meßverfahren zu nutzen: Dabei verwenden nach eigenen Angaben etwa ein Drittel dieser Personen die elektrische Feuchtemessung ausschließlich als Vorprüfung, um eine Prüfstelle für die CM-Messung festzulegen.

Darrprüfung: Beliebtes Meßverfahren bei Sachverständigen – allerdings sehr zeitaufwendig!
Darrprüfung: Beliebtes Meßverfahren bei Sachverständigen – allerdings sehr zeitaufwendig!

CM-Prüfung: In der Praxis bewährt?

Die Meinungen der Teilnehmer zeigen überwiegen positive Bewertungen der CM-Methode (70%). Nur 15% bezeugen schlechte Erfahrungen, wobei erstaunliche 8% nach eigenen Angaben erst gar keine Erfahrungen mit dem CM-Gerät haben… Hier gibt es offensichtlich Nachholbedarf – oder gleich nur elektrisch messen? Schließlich gaben 6% der Befragten höchst unterschiedliche Meinungen wieder: diese Personen haben sowohl positive, als auch negative Erfahrungen mit der CM-Messung gemacht.

CM-Prüfung: Besser als ihr Ruf?
CM-Prüfung: Besser als ihr Ruf?

Die Begründungen für gute Erfahrungen waren vielschichtig, nachfolgend einige interessante Zitate zur CM-Prüfung:

  • „schon seit 20 Jahren ohne Probleme“,
  • „seit 30 Jahren kein Schaden“,
  • „zuverlässig, wenn richtig gemacht“,
  • „wenn sorgfältig durchgeführt keine Probleme“,
  • „zusätzliche Infos über den Estrich (Gefüge, Festigkeit, Dicke)“,
  • „Messung über 60 mm tiefe möglich“,
  • „bekannte Relation durch Darrprüfung“
  • bis hin zum schlichten „gerichtlich anerkannt“.

Ob die CM-Methode nun „gerichtlich anerkannt“ ist, wird eine weitere Umfrage unter Richtern der Bausenate ergeben, mal sehen, was die Juristen wohl dazu sagen…

Die schlechten Erfahrungen mit dem CM-Geräte betrafen insbesondere das zeitaufwendige Verfahren und damit die Kosten für die Probenentnahme und das Verschließen sowie die Ampulle mit Calciumcarbid. Vor allem wurde von den Teilnehmern die fehlende Reproduzierbarkeit der Messung kritisiert.

Exemplarisch sind die Kritiker wiedergegeben, die negatives über die CM-Prüfung zu Berichten wußten:

  • „Zwei Schadensfälle trotz Messung“,
  • „umständlich“,
  • „zeitaufwendig“,
  • „fachgerechte Probenentnahme schwierig“,
  • „zerstörend“,
  • „keine Meßgenauigkeit“,
  • „teuer“,
  • „gefährlich bei Schnellestrichen“,
  • „nicht erprobt für CEM-II-Estriche“.

Eindeutig ist abzuleiten: eine Abkehr von der CM-Methode ist nicht zu erkennen! Es kristallisiert sich zusammengefaßt eine Meinung unter der Mehrzahl der Befragten heraus: Wer sorgfältig misst, bekommt mit der CM-Prüfung zuverlässige Meßwerte. Die Argumente gegen die CM-Prüfung zielten bei den Befragten überwiegend nicht auf die Frage der Meßgenauigkeit ab, sondern betrafen vielmehr die Durchführung der Messung an sich. Trotz der Nachteile der CM-Prüfung (Zeit- und Kostenaufwand, zerstörende Prüfung, fehlende Reproduzierbarkeit, u.a.) ist die Methode bei der Mehrheit der Bauschaffenden anerkannt, insbesondere dann, wenn es um Rechtssicherheit geht. Tatsächlich aber ist die Branche gespalten – mehr und mehr gewinnen elektrische Feuchtemeßgeräte an Zuspruch.

Elektrische Prüfmethode: immer beliebter!

Insgesamt gaben 54% der Befragten an, gute Erfahrungen mit elektrischen Feuchtemeßgeräten gemacht zu haben. Auffällig war dabei, daß die Quote der auch hier unzufriedenen Prüfer vergleichbar ist mit jenen, die mit der CM-Prüfung schlechte Erfahrungen haben: schließlich haben 17% eine schlechte Meinung zur elektrischen Meßmethode. Wiederum erstaunlich: 19% hatten damit bisher gar keine Erfahrungen gemacht. Auch hier noch widersprüchliches: 9% der Befragten vermerkten, sowohl positive, als auch negative Erfahrungen.

Elektrische Meßgeräte: vor allem zur Vorprüfung sehr beliebt!
Elektrische Meßgeräte: vor allem zur Vorprüfung sehr beliebt!
Elektrische Meßgeräte: vor allem zur Vorprüfung sehr beliebt!

Stellvertretend hier einige positive und negative Wortmeldungen über elektrische Feuchtemeßgeräte und deren Eignung:

  • „genau“,
  • „viele Meßstellen in kurzer Zeit“,
  • „optimale Vorprüfung“,
  • „zur Festlegung des sinnvollen Zeitpunktes der CM-Prüfung“,
  • „fehlende Langzeiterfahrung“,
  • „nur vergleichende/relative Messung möglich“,
  • „Baustoffbestimmung kritisch“,
  • „fehlende Vergleichbarkeit zwischen Geräten verschiedener Hersteller“,
  • „Vertrauen in die Technik?“,
  • „Billiggeräte am Markt“,
  • „große Streuung der Meßergebnisse“.

Es zeigt sich also: auch elektrische Feuchtemessungen – nicht das Gelbe vom Ei? Darüber wird noch zu berichten sein. Mal gespannt, was die Hersteller hierzu sagen…

Die Fachwelt ist gespalten: Verfechter beider Methoden uneins

Im Ergebnis der Umfrage sahen sich bisher 72% der Befragten in ihrer bisherigen Vorgehensweise bestätigt. Immerhin aber herrscht bei 21% der Marktteilnehmer ganz offensichtliche Verunsicherung: wie wird denn nun korrekt die Feuchte im Estrich gemessen? Hartnäckig vertritt jede Fraktion ihr Verfahren: nur 1% sind „Wechselwähler“ und würden sich in Zukunft für eine andere Meßmethode entscheiden! Die Fronten sind verhärtet: doch Konfrontation nützt niemandem! Es gilt unabhängig von Standpunkten objektiv abzuwägen, welche Methode hat die wenigsten Fehler? Welches Verfahren die beste Genauigkeit? Wie steht es um Kosten, Nutzen und Zeitaufwand? Welchem Verfahren gehört die Zukunft?

Ganz cool waren 2%: dieser Personenkreis äußerte spontan, daß die aktuelle Diskussion zum Risiko Restfeuchte in Estrichen trotz Schäden an Oberböden keine Wirkung bei ihnen zeige. Weitere 1% gaben zusätzlich an, daß besonders bei Schnellestrichen große Verunsicherung über die Meßmethode herrsche. Diese wenigen kritischen Geister spiegeln genau die Verhältnisse in der Praxis wider.

Elektrische Meßverfahren im Aufwind – was nun?

Insgesamt  sprachen sich 29% dafür aus, daß die elektrische Meßmethode in die Merkblätter und Richtlinien von Verbänden und Institutionen aufzunehmen. Damit wird bestätigt: die Regeln der Technik sind zu reformieren – oder? Die Befragten gaben sogar Erfahrungen im Umgang mit einzelnen Meßgeräten an. Bestätigt werden sich die Konservativen sehen: 42% stimmten zu, die elektrische Feuchtemessung als Vorprüfung vor der CM-Prüfung zuzulassen. Allerdings gibt es hartnäckige Verweigerer: gegen die Aufnahme elektrischer Prüfgeräte in Merkblätter sprachen sich 15% der Befragten aus. Sie fürchten Chaos am Bau: häufig wurde als Argument genannt, daß erst recht große Verwirrung über die Meßmethodik ausgelöst werde, wenn verschiedene Meßverfahren aufgenommen werden, da die Vergleichbarkeit der Meßwerte dahin steht.

Umfrage erweitert: Erfahrungen mit CEM-II-Zementen?!

Wegen der aktuell aufkommenden Diskussion über die Eignung und Feuchtemessung bei Estrichen der neuen Generation wurde die Umfrage auf Erfahrungen mit CEM-II-Zementen erweitert. Zu dieser speziellen Thematik äußerten sich bisher 45% der Teilnehmer an der Umfrage zur Feuchtemessung.

Im Ergebnis gaben 43% der Teilnehmer zu den Erfahrungen bei der Feuchtemessung von Estrichen aus CEM-II-Zementen an, daß eine Restfeuchte < 2,0 CM-% als Kriterium der Belegereife nicht immer erreicht würde. Beachtenswert: stattliche 39% stellten eine Varianz der Meßwerte von Estrichmischung zu Estrichmischung bei der Feuchtemessung fest. Dies bestätigt die große Verunsicherung im Handwerk, die bei der Verwendung dieser Estrichsorte vorherrscht. Was allerdings nur dann gilt, wenn dem bodenlegenden Handwerk überhaupt bekannt ist, woraus der Estrich besteht… Besser mal bei der Bauleitung nachgefragt? Oder wäre es nicht zu fordern, daß Ausschreibungen für Bodenbelagsarbeiten konkretisiert werden? Wird der Fußbodenpass endlich Auswirkungen in der Praxis zeigen?

Viele Methoden der Feuchtemessung: ein Ergebnis?

Eine große Abweichung der Meßwerte zwischen CM-Methode, elektrischer Messung und/oder gravimetrischer Feuchtigkeitsbestimmung wurde von 35% der Befragten festgestellt (Anmerkung: es waren Mehrfachnennungen erlaubt). 20% der Befragten gaben an, bislang keine Erfahrungen mit der Feuchtemessung an solchen Estrichsorten gemacht zu haben – oder wußten sie etwa gar nicht, welchen Estrich sie prüfen? Vorbehalte bei unbekannten Estrichen sollten wohl sicherheitshalber dem Bauherrn mitgeteilt werden. Besteht sonst schon wieder ein neues Haftungsrisiko für das Handwerk bei falscher Messung oder fehlerhaften Meßergebnissen? Wieder sind die Juristen gefragt – wir werden abschließend Fachanwälte befragen und über Antworten berichten!

Mal was positives: 17% berichteten über generell gute Erfahrung mit Estrichen aus CEM-II-Zementen! Kritiker dieser Estrichsorten stehen dem gegenüber: 17% der Teilnehmer stellten eine geringere Oberflächenfestigkeit fest, 33% beobachteten einen langsameren Trocknungsverlauf.

Bauleiter & Kommunikationsschuld…

Sie hüllten sich in seltsame Gewänder und wandelten ziellos umher: Nein, nicht die Bundeswehr, sondern die Bauschaffenden sind gemeint. Nach eigener Erkenntnis der Marktteilnehmer bestätigen 71% eine fehlende Kommunikation zwischen Bauleiter, Estrichleger und Bodenleger. Damit liegen vor Beginn der Ausführung des Oberbodens also  überwiegend über die Zusammensetzung des Estrichs keine Erkenntnisse vor… nicht jeder kann immer alles wissen, doch Fragen ist erlaubt! Und so wichtige Kenntnisse, wie die Frage nach der Zusammensetzung eines Estrichs, dem Zeitpunkt der Verlegereife und den Vorgaben des Herstellers nach der zulässigen Restfeuchte – diese Vorgaben sollte man in Erfahrung gebracht haben, damit man dem Gewerk Estrich und Oberboden auch gerecht werden kann. Vorsicht Falle: Bauleiter und Architekten unterliegen nach gültiger Rechtssprechung einer Kommunikationsschuld…

Immerhin noch 9% der Befragten gaben an, bislang gar keine Erfahrungen mit solchen Estrichen neuer Generation gemacht zu haben.

CEM-II/A-Zemente zur Estrichherstellung wurden bislang 20% der Befragten durch den Handel oder die Baustoffindustrie angeboten, wenn auch eher selten. Erstaunlichen 80% der Befragten wurden danach bislang diese Zementsorte zur Estrichherstellung noch nicht empfohlen. Hier bleibt abzuwarten, wie die Entwicklung weiter voranschreitet.

Das sagt der Jurist: elektronische Feuchtemessung rechtssicher?!

Rechtsanwalt Albert Lichtenberger aus der Kanzlei Köppe, Straub, Stauffer, Schwemmle & Kollegen, Filderstadt, sagte anläßlich des iba-BauFach-Symposiums „Risiko Restfeuchte“ am 13.11.2008: „(…) Der Handwerker braucht vor Ort eine Meßmethode, mit der in kurzer Zeit viele Meßwerte zu erzielen sind, da viele Flächenmessungen an der Oberfläche erforderlich sind, die einen Rückschluß auf die Belegereife geben (…) Es gibt keine Norm, welche die Feuchtemessung nach der Calciumcarbid-Methode fordert! (…)“ 

Rechtsanwalt Albert Lichtenberger beim iba-BauFach-Symposium „Risiko Restfeuchte“
zum Thema „Feuchte rechtssicher messen“.

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AUTOREN:
Annette Gottfried & Hans-Joachim Rolof, iba-INSTITUT Koblenz, Düsseldorf, Stuttgart